Superheld*innen

Es ist Samstag, der 28. Juli 2018, kurz vor 18 Uhr. Ich liege auf meiner Couch. Meine Füße tun etwas weh und mein Gesicht ist von der Sonne ein wenig verbrannt. Ich kann euch sagen: Ich bin k.o. Aber genau in diesem Moment bin ich auch der glücklichste Mensch der Welt.

Doch spulen wir etwas zurück und beginnen am Anfang dieses Tages. Am Morgen stehe ich auf, werfe mich in mein pinkes Shirt, schnappe mir noch schnell eine Wasserflasche, einen Apfel und ein Brötchen und mache mich mit dem Fahrrad auf den Weg zum Salbker See II. An der Kreuzung zum Salbker See hinunter fährt ein Auto neben mir. Das Fenster geht runter: „Hey Pipo. Heute ist Drachenboot-Cup! Wuuuuuuhuuuu“ Es ist meine Kollegin, die ebenso wie ich in Pink gekleidet ist. Ich bin in diesem Jahr zum ersten Mal eine Pink-Pocahontas, eine Pipo – ja wir lieben Abkürzungen. Noch nicht so ganz wach, wird mir klar, wie lange ich mich auf diesen Tag gefreut habe und ich werde langsam etwas nervös. Bereits von der Straße aus kann ich ein paar der pinken Shirts und das strahlende Lächeln meiner Kolleginnen sehen. Bald sind alle da und laufen wie kleine Ameisen umher, bauen auf und dekorieren. Ich packe auch mit an und in Windeseile ist alles aufgebaut.

Meine Aufregung habe ich in der Zeit schon wieder ganz vergessen. Wir kommen als Team noch einmal zusammen. Alle Ansprechpartnerinnen bekommen einen Luftballon in der Farbe ihres Teams, dem sie den ganzen Tag nicht von der Seite weichen werden. Der Moment ist gekommen: es geht los! Die Ersten kommen auf den Platz und schauen suchend umher. Ich laufe auf sie zu und da schlägt mein Herz wieder schneller. „Hallo und herzlich willkommen. Kann ich euch weiterhelfen?“ Beide gehören zu meinem Team und so zeige ich ihnen alles und setze mich kurz mit ihnen in den Schatten an ihren Teamtisch. Auch sie sind in diesem Jahr zum ersten Mal dabei und etwas nervös. Puuuuh, das nimmt mir ein wenig Aufregung. Nach und nach trudeln auch die anderen Paddler*innen ein und wir können an der Taktik tüfteln. Dann kommen wir zum Kampfspruch, den sich jede Mannschaft für die Vorstellung im Bühnenprogramm überlegt. „Zickezacke, Kinderkacke!“ ist unserer, denn mein Team besteht aus Erzieher*innen und Eltern. Zur Übung rufe ich „Zickezacke“ und das Team „Kinderkacke!“. Das läuft ja schon einmal sehr gut. Nach dem Teamcaptainsmeeting, bei dem die Teamcaptains aller Teams noch einmal gebrieft werden, vergeht die Zeit wie im Flug.

Musik und die Stimme von Bonnie Tyler ertönen:

„Wo sind all die guten Menschen und wo sind all die Götter?

Wo ist der kluge Herkules, um die aufsteigende Ungerechtigkeiten zu bekämpfen?“

Ihre Worte erinnern mich daran, was heute vor allem im Mittelpunkt des Benefiz-Drachenboot-Cups steht: Der Kampf gegen Ungerechtigkeit. Ich blicke in die vielen Gesichter, die sich auf und vor der Bühne versammelt haben und sehe darin ihren Kampfgeist. All diese Menschen haben wir, die Pink Pocahontas – das Ehrenamtsteam der ELTERN-AG – im Boot für Kinder in Not. All diese Menschen haben wir an unserer Seite bei unserem Einsatz für gleiche Bildungs- und Lebenschancen für alle Kinder. All diese Menschen helfen uns dabei, anderen die Augen zu öffnen und für das Thema Kinderarmut zu sensibilisieren. Denn, wie Lars Johansen, der den Benefiz-Cup bereits von Anfang an unterstützt, in diesem Moment sagt: „Und ich denke, ihr wisst es selbst, aber ich sage es nochmal: Kinderarmut ist scheiße!“. Ich bin ein Mensch, der insbesondere seitdem er sich nahezu täglich mit dem Thema Kinderarmut beschäftigt, sehr nah am Wasser gebaut ist und so steigen mir ein, zwei Tränen in die Augen. Doch, wie ihr euch vorstellen könnt, kochen an diesem Tag nicht nur meine Emotionen hoch. Es wird einige Tränen geben – Tränen der Rührung und Tränen des Glücks und der Freude.

„I need a hero!“, singt Bonnie Tyler in ihrem Refrain. Und genau das sind all diese Menschen – sie sind unsere Held*innen! Es sind Held*innen, die den Benefiz-Cup unterstützen, Held*innen, die die ELTERN-AG möglich machen und sich damit für Kinder in Not einsetzen, Held*innen des Alltags, Held*innen als Eltern und Held*innen einfach so, wie sie sind, als Menschen. Sie alle leisten an jedem einzelnen Tag so viel. Sie leisten Unglaubliches im Alltag, in ihren Berufen, in ihren Familien und für uns alle. Sie alle tragen täglich etwas dazu bei, damit unsere Welt ein kleines bisschen besser wird. Sie alle brennen auch heute für den guten Zweck.

BOOM!, POW! – Zwei Banner mit diesen Schriftzügen werden auf die Bühne getragen. Zwei Superheldinnen in Pink reißen diese Banner ein und erobern die Bühne. Auch sie sind Heldinnen im Alltag und in unserem Büro, Heldinnen für ihre Kinder, Neffen und Nichten und auch für mich. Ob ihr Einsatz für die ELTERN-AG, ihre Liebe zum Detail bei all den Vorbereitungen des Benefiz-Cups, jeden Morgen ein Lächeln und ihre Leidenschaft dabei – auch in diesem Moment machen sie mich unglaublich stolz darauf, eine Pink Pocahontas zu sein. Mit viel Kraft, Engagement und etwas positiver Verrücktheit stehen sie für das, was wir sind – Kämpferinnen für Kinder in Not. Sie bringen die Stimmung bei gefühlten 50 Grad zum Kochen und alle sind bereit für die Rennen.

„Bitte cremt euch mit Sonnenmilch ein.“, „Trinkt bitte genug Wasser.“ – Höre ich mich fast schon predigen, weil es so warm ist. Plötzlich stehe ich schon mit meinem Team am Marshalling, besprühe sie mit Wasser aus einer Sprühflasche zum Abkühlen und brülle aus Leibeskräften „Zickezack“ und sie rufen „Kinderkacke!“. Jetzt sind alle bereit für das Rennen und die Spannung steigt immer mehr. In Zweierreihen gehen sie zum Boot und paddeln los. Von der Bühne aus feuern wir Pink-Pocahontas alle Teilnehmer*innen an und das so laut, wie wir können. Die neun Mannschaften geben alles und kämpfen dann in einem großen und kleinen Finale weiter um den Pokal.

Nach den Rennen machen wir ein Gruppenfoto und küren sie dann: Die Sieger*innen des 4. Benefiz-Drachenboot-Cups. Alle, egal, welchen Platz sie belegt haben, sind zufrieden und glücklich, denn heute haben sie sich ganz besonders für Kinder, die in schwierigen Lebensverhältnissen leben, stark gemacht. Ich blicke in strahlende Gesichter und bin ein bisschen wehmütig, dass der Tag so schnell vergangen ist. Nach der Verabschiedung und dem Abbau steige ich auf mein Rad und fahre nach Hause.

Ich lege mich auf meine Couch. Meine Füße tun etwas weh, mein Gesicht ist von der Sonne ein wenig verbrannt und die Haut spannt. Ich kann euch sagen: Ich bin k.o. Ich schaue mir ein paar Fotos an, die ich am Tag gemacht habe, halte bei dem Gruppenfoto inne und denke: Es ist der Wahnsinn, was wir zusammen erreichen können. Über 27.000 Euro haben wir für Kinder in Not gesammelt. Beim Drachenbootrennen kommt es auf Engagement und Ehrgeiz an, doch das Wichtigste ist der Teamgeist. Gemeinsam können wir unserem Ziel näherkommen. Gemeinsam können wir bewegen. Gemeinsam können wir verändern. Und genau in diesem Moment bin ich der glücklichste Mensch der Welt.

 

Ferienjobberin im Drachenfieber

Endlich Ferien! Am Morgen des ersten diesjährigen Sommerferientages treffe ich wie in den vorherigen drei Jahren im Büro der MAPP-Empowerment gGmbH ein. Sowohl die mir schon bekannten als auch die neuen Kolleginnen begrüßen mich herzlich mit einem Strahlen im Gesicht. Alle sind voller Vorfreude auf die gemeinsame Arbeit für den vierten Benefiz-Drachenboot-Cup. Gespannt gehen die Koordinatorin und ich meine Aufgabenliste für die kommenden drei Wochen durch und da steht er schließlich – ein blauer Drache. Dieser geht mir die nächste Zeit wohl öfter durch die Finger. Fast jeder Tombola-Preis trägt ein Etikett mit seinem Abbild, genau wie die 30 selbstgebastelten Fähnchen, die per Hand etikettierten Spendengläser und Wasserflaschen, die Tischkärtchen und vieles mehr.

Mit seinem wunderschönen Dasein auf so gut wie jedem Utensil, das der Benefizveranstaltung dienen soll, kann ich die Arbeit richtig genießen. Ich schneide die Teamschilder aus und laminiere diese anschließend. Fein säuberlich zeichne ich die Linien der Rennzeiten- und Platzierungs-Tabellen auf das braune Papier vor, um sie dann mit einem Filzstift nachzuziehen. Währenddessen warten unsere Pressefee, Teamleiterin Kommunikation und Fundraising, und ich seit einigen Tagen neugierig auf den Postboten, der die neu designten Medaillen bringen soll. Auch hier begegnet mir wieder der Drache, als die Medaillen endlich frisch aus der Produktion bei uns im Büro ankommen. Nun bringe ich noch die roten Satinbänder mit Heißkleber an. Fertig!

Jetzt fehlt nur noch eins: Ein riesiger Pappdrache. Sein vier Meter langer Vorgänger überlebte die Regengüsse des vergangenen Benefizcups leider nicht. Ein neuer muss also her! Unser kreativer Kopf aus dem Team Bildungs- und Qualitätsmanagement malt die Umrisse des Drachen auf das größte Stück Pappe, das ich im Keller finden konnte. Nun male ich mit einem Pinsel und Acrylfarbe die Flächen der Figur in unterschiedlichen Blautönen aus und pinsele den Slogan in roter Farbe auf das „Wasser“. Vorsichtig schneide ich das Gesamtbild mit einem Cuttermesser aus. Die wochenlangen Vorbereitungen haben sich gelohnt. Jetzt sind der Drache, das Team und ich in vollem Drachenfieber und bereit für den 28. Juli 2018!

Sei du selbst die Veränderung! – MD2025

„Magdeburg 2025 – Machen!“ sehe ich in weißer Schrift auf einem pinken Aufkleber, als ich an der Ampel stehe, denn ich habe den frühen Abend heute genutzt, um ein wenig an der Elbe entlang zu schlendern. Das Logo wirbt für unsere Stadt und für unsere Kultur. „Magdeburg sein – Kulturhauptstadt werden“. Das ist das Motto, denn Magdeburg möchte Kulturhauptstadt im Jahr 2025 werden.

Ich überquere die Hegelstraße – für mich eine der schönsten Straßen überhaupt – und denke darüber nach, was für mich Kultur bedeutet, was für Magdeburg Kultur bedeutet. Viele Eltern flanieren mit ihren Kindern an diesem schönen Sommerabend, essen Eis, sitzen vor den Restaurants oder sind auf dem Spielplatz und treffen sich mit anderen Familien. Am Hasselbachplatz mit seinen vielen Bars laufe ich vorbei, nehme das Sportstudio dort kurz wahr und lausche dann einem Straßenmusiker, der Gitarre spielt und dazu leise singt. All das stellt man sich unter Kultur vor.

Immer weiter laufe ich vorbei am Schauspielhaus und biege dann Richtung Domplatz ab. An der Ecke zur Danzstraße bleibe ich stehen. Vor einigen Wochen war ich das letzte Mal hier und in dieser kurzen Zeit hat sich einiges verändert. Hier entsteht das neue Domquartier, hier entstehen neue Strukturen, hier entsteht Zukunft, hier entsteht Kultur.

Wie das Domquartier zeigt, verändert sich in Magdeburg einiges. Mir wird klar, dass es vor allem das ist, was für mich Kultur bedeutet. Kultur bedeutet Veränderung und Wandel. Wir befinden uns in einer Zeit, in der Veränderungen notwendiger denn je sind. Veränderungen können im Großen und Kleinen gedacht werden. Doch wie können wir verändern? Wie schon Mahatma Gandhi sagte: „Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.“ Und damit ist bereits das aus meiner Sicht Wichtigste gesagt. Wenn wir selbst nicht dazu bereit sind, etwas zu verändern, wird es keinen Wandel geben.

In meinem Beruf begegne ich häufig Menschen, für die Veränderungen eine größere Hürde sind als für andere. Sie haben viele Herausforderungen vor sich. Wie Steine in einem Flussbett liegen diese in ihrem Leben. Sie lassen ihr Leben unruhiger fließen und können es gar zum Stillstand zwingen. Jede Menge Kraft gehört dazu, Herausforderungen zu meistern und damit Veränderungen zu bewirken. Diese Kraft hat nicht jeder, vor allem dann nicht, wenn die zahlreichen Herausforderungen in ihrem Leben überhandnehmen. Die nötige Unterstützung und den entscheidenden Schubs zu geben, ist für viele Menschen von großer Bedeutung. Ein solcher Schubs ist die ELTERN-AG.

ELTERN-AG steht für die Bekämpfung von Kinderarmut, sozialer Ungleichheit und Ausgrenzung. Das Programm unterstützt Eltern in besonders belastenden Lebenslagen dabei, für sich selbst Veränderungen zu bewirken und ihre sowie die Zukunftschancen ihrer Kinder zu verbessern. Es hilft ihnen dabei, sich in ihrer Elternrolle wahrzunehmen und sich als Ermöglicher*innen für ihre Kinder zu sehen. Dabei wird auf Wertschätzung, Motivation und Hilfe zur Selbsthilfe gesetzt.

Motivation ist es auch, die mich und meine Kolleginnen beflügelt – Motivation, etwas zu bewegen, Motivation, etwas zu verändern. Um andere engagierte Menschen mit ins Boot zu holen und die Veränderung voranzubringen, haben wir den Benefiz-Drachenboot-Cup ins Leben gerufen und damit nicht nur Kultur, die verändert, sondern auch ein sportlich-spaßiges Event ins Leben gerufen. Wir zeigen, wie Spaß und Gutes tun zusammenpassen können. Wir zeigen, dass Kultur verändern kann. Wir sind Macherinnen für Familien in Not.

Genau das ist es, was unsere Kultur braucht: Macher*innen. Macher*innen brauchen wir, wenn wir Kulturhauptstadt Europas werden wollen. Wir brauchen Menschen, die bereit sind, aktiv zu werden, sich für etwas einzusetzen und zu verändern. Denn genau das ist es, was wir Magdeburger der Welt zeigen wollen: Wir sind Macher*innen mit Herz!

 

 

Was es bedeutet, eine Pink Pocahontas zu sein

Als Pink Pocahontas bin ich in diesem Jahr das erste Mal auf dem Weg zum Salbker See II zu einem Training für den vierten Benefiz-Drachenboot-Cup. Der warme Sommerwind weht mir um die Nase und kleine Fliegen ins Gesicht. Sie fliegen so wild umher wie meine Gedanken und Fragen. Wie wird das Training? Wie sind die anderen Charity-Paddler*innen und was genau macht eigentlich eine Pink Pocahontas aus?

 

Angekommen stelle ich mein Fahrrad ab und mein Blick wird abgelenkt von einer Trauerweide. Unweigerlich muss ich als neue Pink Pocahontas an Großmutter Weide denken aus dem Film, in dem es um unsere Namensgeberin geht. Sie gab Pocahontas einen wichtigen Rat, indem sie sang: „Lausche mit dem Herz. Dann wirst du verstehen.“ Noch heute ist es eines meiner Lieblingszitate und dass das Benefiz-Drachenboot-Rennen eine Herzensangelegenheit für uns, die Pink Pocahontas ist, ist klar.

 Zwei Kinder, die um die Wette laufen, rennen an mir vorbei und reißen mich aus meinen Gedanken. Es sind zwei Kinder der Paddler*innen, die heute zum Training mitgekommen sind, um ihre Eltern und Großeltern anzufeuern. Es sind zwei – ohne Frage – süße Kinder und ihnen scheint es an nichts zu fehlen. Doch das ist leider nicht die Regel, denn 20 Prozent der Kinder in Deutschland leben in Armut. Jedes fünfte Kind kann nicht so unbeschwert durchs Leben gehen, wie diese beiden.

Manchmal kommt es mir so vor, als ob dies zwei ganz unterschiedliche Welten sind. Jeder fühlt sich in seiner am wohlsten und über den Horizont zu schauen, fällt vielen Menschen schwer. Pocahontas ist für mich nicht nur eine starke Frau, sondern jemand, der zwei Welten vereint. Sie ist jemand, der Augen öffnet. Sie ist eine Kämpferin, eine Kämpferin gegen Ungerechtigkeit. So sind wir, die Pink Pocahontas, starke Kämpferinnen gegen die Ungerechtigkeit der Kinderarmut. Wir setzen uns für gleiche Chancen auf Bildung und Gesundheit für alle Kinder ein. Wir wollen Augen öffnen, Horizonte erweitern, Menschen für das Thema Kinderarmut sensibilisieren. Wir wollen bewegen und wir wollen verändern. Hinter den pinken Shirts, dem tollen Logo und dem Namen steckt mehr als die gute Laune, die man auf den ersten Blick sieht. Dahinter steckt Kraft und ein starker Wille.

Von einem lauten „Achtung! Boot rollt.“ werde ich wachgerüttelt. Die beiden Drachenboote für das heutige Training werden an mir vorbei gerollt und zu Wasser gelassen. Klar ist mir jetzt noch mehr, wofür dieses pinke Shirt steht, das ich tragen darf. Die zwei Teams, die heute zum Training gekommen sind, lassen sich von unserer Power anstecken. Jede*r schnappt sich ein Paddel und los geht’s. Jetzt zählen Engagement, Teamgeist und Durchhalten. Eine Stunde wird trainiert.

Als die Paddler*innen einsteigen, strahlen alle noch übers ganze Gesicht. Schließlich werden sie ordentlich angefeuert. Dann geht es los. Zuerst wird rückwärts gepaddelt vom Steg weg. Ein Trainer steht hinten im Boot, treibt die Paddler*innen an und gibt viele Tipps. Ich schaue mir das ganze heute lieber noch aus der Ferne an und paddle nicht mit. Die Boote bewegen sich erst einmal aus unserem Blickfeld, doch jedes Mal, wenn sie an den Zuschauerbänken vorbeipaddeln, feuern wir mit den kleinen Fans ordentlich an.

Und so vergeht eine Stunde wie im Flug. Schon kehren sie zurück – jetzt mit erschöpften, aber glücklichen Gesichtern. Einige fassen sich an ihren Arm, der das Paddel hielt, und scherzen, dass sie befürchten, dass der Muskelkater bis zum 28. Juli anhalten könnte. Als alle aus dem Drachenboot gestiegen sind, sehe ich ein wenig Stolz in ihren Gesichtern. Sie werden von uns empfangen in unseren pinken Shirts. Mit diesen erinnern wir daran, dass wir gemeinsam für Kinder kämpfen, die in Armut leben müssen und dagegen, dass die Herkunft in Deutschland über den Lebensweg entscheidet.

Ein Wassertropfen fällt auf meine Schulter und es tröpfelt kurz. In diesem warmen Sommer stehen heute graue Wolken am Himmel. Das Training hat gezeigt: Um ans Ziel zu kommen, brauchen wir Engagement, Begeisterung und Teamgeist. Gemeinsam können wir viel erreichen. Gemeinsam können wir verändern. Ein starker Wind kommt auf und vertreibt die Regenwolken und wieder muss ich an Großmutter Weide denken und kann hören, wie sie singt: „Lausche mit dem Herz. Dann wirst du verstehen.“

 

 

 

 

Ab ins Boot – Auch Charity-Paddeln will gelernt sein!

30. Mai 2018. Gewappnet mit Wasserflaschen, Pressemappen, Aufstellern und jeder Menge gute Laune und Leidenschaft starten wir bei über 30 Grad zum kühlen Nass. Wir sind die Pink-Pocahontas, die den Benefiz-Drachenboot-Cup gemeinsam mit dem Wasserportverein Buckau-Fermersleben e.V. in diesem Jahr bereits zum vierten Mal veranstalten. Wir fahren auf der Schönebecker Straße, sind schon ganz hibbelig und aufgeregt und folgen den Schildern Richtung Salbker See II. Dort angekommen, tauschen wir unsere vierrädrigen Fahrzeuge gegen eines, das auf dem Wasser schwimmt und Platz für 20 Personen bietet. Die Spannung steigt. Nach einem Jahr Pause öffnen wir die Garagentore am See und da steht es: unser Drachenboot. Der rot-grüne Drachenkopf, der mit ein wenig Goldglitzer bestäubt und an dem Boot befestigt ist, blickt uns entgegen. Er ist genauso wie wir bereit für die neue Drachenbootsaison. Auf Rollen transportieren wir das Drachenboot Richtung See und dabei ist es natürlich ein Hingucker.

Der schöne bunte Drachenbootkopf

Doch bevor wir ihn ins Wasser lassen, darf er erst noch ein bisschen bei unserem Presseauftakt posieren. Den beginnen wir mit Pressevertreter*innen und einigen unserer Charity-Paddler*innen verschiedener Unternehmen aus Magdeburg und der Region. „Ich freue mich jetzt geht’s los. Herzlich willkommen! Wir starten in die Saison des 4. Benefiz-Drachenboot-Cups, der am 28. Juli diesen Jahres stattfindet“, eröffnet Pink Pocahontas Claudia Meussling. Das ist also der Tag der Tage! An diesem Tag sammeln wir Spenden für Kinder in Not und das mit Spaß, Spannung und Teamgeist. Wir unterstützen damit das Programm ELTERN-AG, das sich für die Bekämpfung sozialer Ungleichheit und Ausgrenzung einsetzt.

„Wir haben heute die WOBAU, die Kolleginnen und Kollegen der Novelis Deutschland GmbH, den Weitblick e.V., dm Drogeriemarkt und die hummelt und partner Werbeagentur sowie das MAPP-Institut zu Gast“, fährt Claudia fort. Der Weitblick e.V. hat sich im vergangenen Jahr den Sieg und einen Wanderpokal erkämpft. Da dieser nun weiter wandern soll, muss er schweren Herzens abgegeben werden. Doch traurig muss dort keiner sein, denn seit diesem Jahr haben wir für jeden Sieger einen ganz eigenen Pokal. Sebastian Friedrich vom Magdeburger Unternehmen TinkerToys wird als ganz besonderer Gast angekündigt und hält einen blauen Drachenkopf in der Hand. Auch er ist Feuer und Flamme für den Benefiz-Drachenboot-Cup und hat deshalb einen Pokal entworfen und mit einem 3D-Drucker gefertigt. 35 Stunden hat das gedauert! Bernd Goldbach vom Weitblick e.V. nimmt die Trophäe voller Begeisterung entgegen. Sie bekommt bestimmt einen ganz besonderen Platz in im Kino in Burg. Der Ehrgeiz ist auf jeden Fall geweckt, denn in Bernds Augen leuchtet das Siegesfeuer. Doch wie gewinnt man eigentlich so einen Benefiz-Drachenboot-Cup?

Bernd Goldbach vom Weitblick e.V. nimmt den Pokal für seinen Vorjahressieg von Sebastian Friedrich, Geschäftsführer Tinker Toys, entgegen.

Claudia Meusslng, stellvertretende Geschäftsführerin MAPP-Empowerment gGmbH und Pink-Pocahontas, leitet den Presseauftakt.

Talent, Teamgeist und Engagement gehören natürlich immer dazu, aber wie wir wissen, macht Übung die Meister. Also ab ins Drachenboot! Charity-Paddeln will schließlich gelernt sein. Ob Sporthosen- oder Anzugträger*innen – alle Gäste des Presseauftaktes sind beim ersten offiziellen Training dabei. Chrissi Eckel vom Wassersportverein Buckau-Fermersleben e.V. nimmt das Ruder in die Hand und leitet das Training. Dabei erhält jede*r Einzelne Tipps und Tricks. Auch beim Training darf der Spaß natürlich nicht fehlen. „Und jetzt paddeln alle, die eine Brille tragen! … Und jetzt alle Blondinen!“, ruft die Trainingsleiterin über den See und sorgt mit ihrer lustigen Art für strahlende Paddlergesichter. Gesagt, getan und so paddeln wir immer wieder in unterschiedlichen Gruppen, üben uns im Start und auch in der Langstrecke. Trotz Donner hält sich das Sommerwetter und das Training ist ein voller Erfolg. Zu einem gelungenen Training gehört das obligatorische Abklatschen aller Teilnehmer*innen, die sichtlich erschöpft und ein wenig nass geworden sind. Das Feuer und der Ehrgeiz sind aber bei allen geweckt und sie sind bestens vorbereitet. Jetzt kann der 28. Juli kommen!